Die Braunschweiger bei Quatre Bras und Waterloo
von Andreas Kopp
Am 25. Dezember 1814 hatten die "Brunswick-Oels Jäger", das braunschweigische Kontingent in Spanien, die britischen Dienste verlassen und kehrten in ihre Heimat zurück. Davon ausgenommen blieben die Husaren, die bis zur Mitte des Jahres 1815 weiterhin in britischen Diensten standen.
Nach dem Sieg der verbündeten Truppen über Napoleon im Jahr 1813 wurde der Herzog von Braunschweig Friedrich Wilhelm wieder in seine Besitztümer restituiert. Sein jahrelanger "Rachefeldzug" gegen Napoleon schien beendet zu sein. Er wollte allerdings gegen etwaige Eventualitäten gerüstet sein, und so stellte er bereits zum 1. Januar 1814 neue Truppen auf. Die erste Einheit der neu geschaffenen braunschweigischen Truppen war eine Kompanie Gelernte Jäger. Bereits zwei Monate später trat hier eine zweite Kompanie hinzu. Am Endes des Jahres 1814 setzten sich die braunschweigischen Truppen wie folgt zusammen:
Leichte Infanterie-Brigade
- Avantgarde: Hier wurden die aus spanischen Diensten zurückgekommenen Braunschweiger in zwei Leichten Infanteriekompanien zusammengefaßt. Hinzu kamen die beiden neuen Kompanien Gelernte Jäger.
- Leib-Bataillon: Aus den Kadern der alten "Schwarzen Schar" wurde ein neues Leibbataillon geschaffen.
- 1., 2. und 3. Leichtes Bataillon: Neu rekrutierte Truppen.
Linien Infanterie-Brigade
- 1., 2. und 3 Linien Bataillon: Neu rekrutierte Truppen
Reserve Infanterie-Brigade
- 1.,2.,3.,4. und 5. Reserve Infanterie Bataillon und die Landwehr
Husaren Regiment
- Hier wurden ebenfalls neue Männer rekrutiert. Das Husaren Regiment umfaßte ebenfalls eine Schwadron Ulanen.
Artillerie
- Eine Batterie Fußartillerie - 8 Geschütze mit 188 Soldaten
- Eine Batterie Berittene-Artillerie - 8 Geschütze mit 227 Soldaten
Die Traintruppen
- Die obengenannten Truppen sollten, mit Ausnahme der Reserve Infanteriebrigade am kommenden Feldzug teilnehmen.
Nach der Landung Napoleons in Frankreich zogen die Alliierten alsbald ihre Truppen gegen die erneute Bedrohung zusammen. Das Braunschweiger Korps wurde Teil des alliierten Armee Reserve Korps der anglo-alliierten Armee in Belgien und unterstand somit direkt der Kontrolle des Herzogs von Wellington. Befehlshaber des Korps war der Herzog Friedrich Wilhelm in persona. Sein Stabschef war Oberstleutnant von Heinemann. Als Befehlshaber der leichten Brigade wurde Generalmajor Olfermann, als Befehlshaber der Linien Brigade Oberstleutnant von Buttlar eingesetzt.
Am 15. Juni 1815 überschritt Napoleons Nordarmee bei Charleroi die Grenze. Am darauffolgenden Tag sollten die Braunschweiger bei Quatre Bras die Feuertaufe erhalten.
Quatre Bras
Am Abend des 15. Juni standen bei Quatre Bras die Truppen des Prinzen von Sachsen Weimar (2. Brigade der 2. holländisch-belgischen Infanteriedivision unter Generalleutnant Perponcher im I. Armee Korps). Diese Brigade umfaßte das 2. nassauische Infanterieregiment mit 3 Bataillonen (2.709 Mann), das Regiment Oranien-Nassau (1581 Mann) und eine berittene holländische Batterie unter Captain Bijleveld mit 8 Geschützen.
Der Kommandeur des linken Flügels der Nordarmee, der Prinz von der Moskowa Marschall Ney, konnte sich am darauffolgenden Tag auf folgende Tuppen stützen: Die 5. Division (Bachelu) mit 11 Bataillonen, die 6. Division (Prinz Jerome) mit 11 Bataillonen, die 9. Division (Foy) mit 10 Bataillonen sowie die 2. Kavalleriedivision (Pire) mit insgesamt 15 Schwadronen. Diese Truppen gehörten alle zum II. Korps der Nordarmee. Hinzu kamen noch 5 Batterien Fuß- und eine Batterie Berittene Artillerie mit 46 Geschützen (Die Gardekavallerie unter Lefebvre-Desnouettes hatte am 15. Juni Richtung Quatre-Bras aufgeklärt, wurde dann allerdings in Reserve gehalten; die 11. Kavalleriedivision unter L'Heritier wurde erst gegen Abend des 16. eingesetzt; das Hin und Her Marschieren des Korps d'Erlon am 16. Juni, daß ja ebenfalls Ney unterstand, ist hinlänglich bekannt). Somit verfügte Ney über 19750 Infanteristen, 1729 Kavalleristen, 1385 Artilleristen und 409 Pioniere.
Das braunschweigische Korps stand am Abend des 15. Juni noch in seinen Bereitstellungsräumen in der Nähe von Brüssel. Gegen 22.00 Uhr erhielt dann die Armee Reserve den Befehl sich in Richtung Waterloo in Marsch zu setzen. Am Morgen des 16. Juni wurden diese Befehle dahingehend erweitert, daß die Truppen sich auf Quatre Bras zubewegen sollten. Gegen 14.50 erreichten die Braunschweiger das Schlachtfeld (abgesehen von der Artillerie sowie dem 1. und 3. leichten Bataillon, die erst gegen 18.00 Uhr bei Quatre Bras auftauchten.
Direkt nach ihrem Eintreffen wurden die Braunschweiger in die Schlacht geworfen. Das 2. Leichte Bataillon wurde auf den linken Flügel von Wellingtons Schlachtordnung detachiert, wo es gemeinsam mit den 95. Rifles Piraumont angriff. Die Gelernten Jäger des Avantgarde Bataillons rückten auf den rechten Flügel in den Wald von Bossu, wo sie die nassauischen Bataillone im Schützenkampf unterstützen. Die anderen Bataillone inklusive der Kavallerie nahmen zwischen dem Wald von Bossu und der Hauptstraße Aufstellung.
Etwa zum gleichen Zeitpunkt verstärkten die Franzosen ihren Druck auf den Wald von Bossu. Der Schwarze Herzog erhielt von Wellington den Befehl gegen Gemioncourt vorzustoßen und dabei seine Linien auf den Wald von Bossu auszudehnen, um Verbindung mit den dort befindlichen holländischen und nassauischen Truppen zu halten. Das Leibbataillon, das 1. Linien Bataillon und die 2 Kompanien leichte Infanterie der Avantgarde rückten vor, letztere schlossen ihre Reihen an die gelernten Jäger im Bossu Wald an. Direkt hinter der Infanterie befanden sich die Husaren unter Major Cramm sowie die Ulanen unter Major Pott. Das 2. und 3. Linien Bataillon verblieben bei Quatre Bras in der Reserve.
Zum selben Zeitpunkt entschied sich Ney für den Generalangriff. Vom Höhenzug hinter Gemioncourt nahm seine Artillerie die feindlichen Stellungen unter Feuer. Gleichzeitig begann die Infanterie ihren Vormarsch. Die französischen Angriffssäulen drängten die Braunschweiger zurück. Gleichzeitig waren die Verluste durch die französische Artillerie beträchtlich. Der Schwarze Herzog, befand sich an der Spitze seiner Truppen - seine berühmte Pfeife rauchend - und versuchte seine Männer zu beruhigen. Seine Anfrage an Wellington nach Unterstützung durch Artillerie wurde duch die Entsendung der Batterie Rettberg beantwortet. Die vier Geschütze nahmen an der rechten Flanke der Braunschweiger Aufstellung, zwei der Geschütze wurden allerdings alsbald unbrauchbar geschossen. Die Franzosen rückten allerdings auf der ganzen Linie weiter. Als das 1. und das Gardebataillon zu weichen begannen, setzte sich Friedrich Wilhelm an die Spitze seiner Husaren und attackierte die französischen Kolonnen. Diese bildeten allerdings sofort Karreeformation und trieben die Husaren mit gezieltem Feuer zurück. Dabei wurde ihr Kommandeur Major Cramm getötet. Die Bemühungen des Herzogs, die Reitertruppen wieder zu sammeln scheiterten. Sie fielen auf Quatre Bras zurück, ebenso wie die Infanterie, die dem zunehmenden französischen Druck nicht gewachsen war, der jetzt auch von der Flanke auf die Braunschweiger einschlug, da die Franzosen auch im Wald von Bossu Raum gewannen. Zu allem Unglück griffen nun auch noch die Chasseurs und Lanciers der Kavalleriedivision Pire's erneut ins Geschehen ein und warfen sich auf die zurückgehende Infanterie. Das Garde Bataillon sowie das 2. Linienbataillon flohen aufgelöst in den Wald von Bossu, die anderen Bataillone verließen die Hauptstraße und eilten auf die englischen Bataillone Picton's zu. Quatre Bras war ungedeckt. Zu diesem Zeitpunkt war es, als Wellington im Karree der 92. Highlander Schutz suchen mußte, und der Schwarze Herzog von einer Musketenkugel tödlich getroffen wurde. General Olfermann, nun die braunschweigischen Truppen befehligte, gelang es seine fliehenden Truppen hinter Quatre Bras zu sammeln. Unterstützt von britischen Bataillonen hielten sie die lebenswichtige Kreuzung. Auch auf dem linken Flügel konnte sich das 2. leichte Bataillon gemeinsam mit den 95. Rifles behaupten.
Unterdessen trafen allerdings die arg benötigten frischen alliierten Truppen bei Quatre Bras ein. Zunächst erschien die Brigade Colin Halkett, gefolgt von der Brigade Kielmannsegg sowie den Nassauern unter Kruse. Auch die Batterien Cleeve und Lloyd erreichten das Schlachtfeld. Gegen 17 Uhr kamen dann noch die beiden britischen Gardebrigaden Byng und Maitland sowie die Batterien Sandham und Kuhlmann hinzu.
Gegen 18.00 Uhr befahl Ney die Brigade Guiton der 11. Kavalleriedivision (L'Heritier) nach vorne. Die 8. und 11. Kürassiere, 800 Reiter geführt vom Korpskommandanten Kellermann persönlich, gingen zur Attacke über. Von den vier Bataillonen der Brigade Colin Halkett, konnten zwei nicht rechtzeitig ein Karree bilden. Die 69. verloren die Königsfahne. Die 33. flüchteten in den Wald, wurden allerdings fast vollständig aufgerieben. Die Kürassiere erreichten so die Kreuzung von Quatre Bras.
Für einen kurzen Zeitraum war Wellingtons Mitte gefährdet. Jedoch der Kavallerieattacke fehlte die Infanterieunterstützung. Als dann noch die Batterien Kuhlmann und Cleeve das Feuer eröffneten, aus dem Wald von Bossu die Nassauer, aus den Häusern von Quatre Bras die Engländer und von der Straße nach Namur aus die Hanoveraner Kielmannseggs schossen, machten die Kürassiere kehrt.
Auch auf dem rechten französischen Flügel waren die Franzosen unter Bachelu vorgerückt und hatten Thyle erobert. Die hier eingesetzten britischen und braunschweigischen Truppen wurden auf das Stärkste bedrängt.
Mittlerweile hatte allerdings Wellington genügend Truppen an der Kreuzung zusammen, und gegen 18.40 Uhr begann die Gegenattacke. Die beiden Gardebrigaden gingen gegen den Wald von Bossu vor, der zu diesem Zeitpunkt fast vollständig in der Hand der der Franzosen war. Halkett und Pack, unterstützt von den braunschweigischen und nassauischen Bataillonen rückten auf Gemioncourt vor; die Engländer unter Kempt und Kielmannseggs Hannoveraner rückten erneut auf Piraumont vor. Zwischen 19 und 20 Uhr erhielt Wellington dann noch Verstärkungen durch das 1. und 3. leichte Bataillon und die beiden Batterien der Braunschweiger sowie durch die 2. KGL Brigade unter Ompteda. Ungefähr zur selben Stunde hatten die Gardebrigaden die Franzosen unter schweren Verlusten aus dem Wald von Bossu gedrängt, in der Frontmitte war Foy auf Gemioncourt zurückgedrängt worden und Bachelu räumte nach erbittertem Kampf Piraumont.
Die gegen 20.30 Uhr auftauchenden Carabiniers aus Kellermanns Korps konnten nur noch den linken Flügel gegen die aus dem Wald von Bossu drängenden Briten stabilisieren.
Gegen 21 Uhr hörten die Kämpfe auf. Die nun auf dem Schlachtfeld erscheinende britische Kavallerie (Vivian, Vandeleur, Somerset und Ponsonby) griff nicht mehr ein.
Die Braunschweiger verloren nach Siborne bei Quatre Bras 819 tote, verwundete bzw. vermißte Soldaten, die offiziellen braunschweigischen Verlustangaben sprechen von 188 Toten und 396 Verwundeten.
Waterloo
Am 17. Juni zog sich Wellington mit seinen Truppen auf Mont St.Jean zurück, verfolgt von Napoleons Truppen. Das Braunschweiger Korps, das neben dem Verlust seines Kommandeurs auch eine relativ hohe Verlustrate unter den Mannschaften zu beklagen hatte, wurde in die Reserve beordert. Es stand in der zweiten Linie der alliierten Position, im Norden von Hougoumont, bei Merbe Braine. In der folgenden Schlacht wurden die Truppen nicht gemeinsam eingesetzt. Die Kavallerie operierte gemeinsam mit ihren britischen Kameraden; das Avantgarde und das Leibbataillon sowie das 1. leichte Bataillon beteiligte sich am Kampf um Hougoumont, während die restlichen Bataillone die englische Kampflinie verstärkten (Es bleibt anzumerken, daß verschiedene Autoren unterschiedliche Angaben über die Positionierung der Braunschweiger bei Waterloo machen. Einige sprechen von einem Einsatz aller leichten Bataillone inklusive der Avantgarde bei Hougoumont. Diese Wertung ist allerdings auf die Konfusität in der englischen Mitte während des Höhepunktes der Schlacht zurückzuführen).
Die Schlacht, die mit dem Angriff auf Hougoumont gegen 11.30 Uhr begann, zog bis gegen 14 Uhr an den Braunschweigern vorbei. Zu diesem Zeitpunkt allerdings schickte Wellington Verstärkungen Richtung Hougoumont von denen auch die Braunschweiger betroffen waren. Die an diesen Punkt der Schlacht detachierten Braunschweiger beteiligten sich nachfolgend an den Kämpfen, wobei sie schwerpunktmäßig an der Nordwestecke des Pachthofes in der Höhe der Niveller Straße eingesetzt waren, das Avantgarde Bataillon allerdings auch bei der Verteidigung des Obstgartens.
Der Hauptteil des braunschweigischen Kontingents wurde am Nachmittag mit den Reiterattacken Milhauds konfrontiert. Wellington hatte kurz zuvor die Braunschweiger näher an das Geschehen herangeführt. Sie nahmen in der zweiten Linie hinter den Garden Maitlands Aufstellung. Hier erwartete man den Kavallerienagriff. In kürzester Zeit beherrschte die französische Kavallerie das Plateau, sah sich hier allerdings den alliierten Karrees gegenüber, die überall Stand hielten. Die vier Kürassierregimenter der 13. Kavalleriedivision unter Watier ritten dabei den Angriff gegen die englischen Garden und die dahinter stehenden Braunschweiger. Die Briten antworteten mit einer Gegenattacke, an der sich auch die Braunschweiger Husaren und Ulanen beteiligten, und trieben die Franzosen den Abhang hinunter. Hier sammelten sich allerdings die Truppen, und griffen, unterstützt von der Gardekavallerie erneut an. Eine Kavallerieschlacht entwickelte sich, in der die alliierte Reiterei sich allerdings zurückziehen mußte. In der nachfolgenden Attacke der Franzosen sahen sich die Braunschweiger den Chasseurs a Cheval der Garde unter L'Allemand gegenüber. Zwischen den Vierecken der Braunschweiger stand die Batterie Mercer und feuerte ihre Kartätschen den Reitern entgegen. Auch diese Attacke der Franzosen wurde abgeschlagen. Zur Unterstützung der Braunschweiger zog Wellington nachfolgend die Bataillone der britischen Brigade Mitchel heran, und ließ sie zwischen den Braunschweiger Stellung beziehen. Damit wollte man verhindern, daß die unerfahrenen Braunschweiger letztendlich doch ihre Position verlassen würden.
Nachfolgend eröffneten die Franzosen erneut ein verheerendes Artilleriefeuer, das wohl auch die Braunschweiger in arge Mitleidenschaft zog. Dies zeigt die Tatsache, daß dem Kommandeur der 5. Kavalleriebrigade Grant, dessen Brigade sich im Rücken der Braunschweiger zusammenzog, um wohl deren Weichen zu verhindern, drei Pferde unterm Leib getötet wurden.
Offensichtlich hatten die Franzosen während den Kavallerieattacken auch ihre Infanterie in Richtung auf das Plateau vorgeschoben. Gegen sie gingen das 1., 3., 4. KGL Bataillon der Brigade du Plat, die Braunschweiger sowie die 23. Füsiliere der Brigade Adams vor. Der Vorstoß gegen die Franzosen unter Quiot zerschellte allerdings wirkungslos. Nachdem dem braunschweigischen Oberbefehlshaber Olfermann die rechte Hand abgerissen wurde, wichen seine Truppen zurück. Nicht besser erging es den anderen beteiligten Truppen.
Die nachfolgende französische Reiterattacke, die nunmehr von Kellermanns Truppen geführt, von der restlichen Kavallerie allerdings unterstützt wurde, richtete sich nunmehr gegen Wellingtons rechte Flanke. Dabei trafen die Dragoner Piquets der 11. Kavalleriedivision unter L'Heritier auf die Braunschweiger. Wellingtons starke rechte Flanke verhinderte jedoch einen Durchbruch der Franzosen. Am Schluß des Kampfes bogen die Dragoner - Brigadegeneral Piquet war verwundet - , nachdem sie die Niveller Hauptstraße überschritten hatten, nach Süden ab, und ritten im Bogen um Hougoumont herum ins Tal.
Nun war es gegen 18 Uhr. Das Zentrum der alliierten Armee bildete die Division von Generalleutnant Graf Alten mit den drei Brigaden Colin Halkett, Ompteda und Kielmannsegg. An Hougoumont hatte sich die KGL Brigade du Plat angelehnt. In der Front Frontlinie standen zwischen du Plats Männern und der Brigade Colin Halketts die Bataillone der Braunschweiger, in ihren Zwischenräumen die drei Bataillone der Brigade Mitchel. In zweiter Linie stand rechts außen hinter Hougoumont die hannoversche Brigade William Halkett, im Zentrum die Brigade Adam sowie die englischen Garden Maitlands und Byng. Auch Chasse war schon näher herangezogen worden. Im Osten war die linke Flanke der Alliierten ausgedünnt worden, das Zentrum war eingeknickt, nur im Westen war die Frontlinie nun kürzer und straffer.
Die Kavallerieattacken gingen nun weiter. Diesmal hatten es die Braunschweiger mit der Elitetruppe der schweren Kavalleriedivision der Garde, den Grenadieren zu Pferd der Garde, zu tun. Die Braunschweiger Karrees hielten sich jedoch. Die nächste Attacke, die sie traf, wurde von der Elitetruppe der 12. Kavalleriedivision angeführt, den Carabiniers. Offensichtlich wurde nun das 3. leichte Bataillon der Braunschweiger gesprengt, und auch die anderen Bataillone wurden schwer getroffen. Die Batterie Cleeve feuerte allerdings aus nächster Nähe auf die anstürmenden Franzosen. Auch die braunschweigische Reiterei und die Reste der Brigade Dörnberg unterstützen die Karrees. Schließlich mußte sich die französische Kavallerie auch hier zurückziehen.
Die Linie Wellingtons begann sehr dünn zu werden. Deshalb beorderte er nun seine letzten Reserven ins Zentrum. Von Hougoumont wurden die vier braunschweigischen Bataillone mehr ins Zentrum gezogen, während die Brigade Vincke vom Flügel ins linke Zentrum beordert wurden. Auch Wellingtons letzte Infanteriereserve, die Holländer und Belgier Chasses, nahmen nun Aufstellung im Zentrum. Außerdem verlegte der Herzog die Kavalleriebrigaden Vandeleur und Vivian von Papelotte aus hinter das englische Zentrum
Nach den Kavallerieattacken traf die Braunschweiger nun die Attacke der Division Bachelu. Das 2. leichte Bataillon ging in Trümmer, nur mit Mühe konnte man die Fahne retten. Bei dieser Aktion fielen Major Unruh und alle vier Hauptleute. Der Stabschef und stellvertretende Korpsbefehlshaber Heinemann kam im Getümmel um. Seine Leiche wurde nie mehr gefunden. Auch der Chef der Linienbrigade sank schwer verwundet nieder. Die Braunschweiger fielen zurück. Wellington persönlich ritt heran und brachte sie zum Stehen.
Die Rolle der Braunschweiger beim Finale der Schlacht, dem Angriff der Garde, ist nicht klar ersichtlich. Wenzlik vermutet, daß die Kämpfe mit Bachelu die Bataillone so geschwächt hätten, daß Wellington sie aus der Kampflinie hinausgezogen hätte. Andere Autoren sehen sie im gemeinsamen Kampf mit der 3. Foot Guard. Wie auch immer, das Ergebnis der Attacke ist bekannt.
Es bleibt zu sagen, daß der Einsatz der Braunschweiger sowohl bei Quatre Bras, als auch bei Waterloo schwer, aber auch beispielhaft war. Dafür sprechen nicht zuletzt die Verlustziffern. Siborne spricht von 660 Toten, Verwundeten oder Vermißten. Die braunschweigischen Angaben belaufen sich auf 260 Tote, 918 Verwundete und 378 Vermißte.
Uniformen
Abschließend möchte ich mich nun noch der Uniformierung zuwenden.
Das Avantgarde Bataillon setzte sich ja aus Gelernten Jägern und 2 Kompanien leichter Infanterie zusammen. Erstere trugen den korsischen Hut mit dem Emblem des rennenden Pferdes. Der kleine Federbusch an der Seite des Hutes war grün. Die Uniform bestand aus einem kurzschößigen, einreihigen grauen Rock mit einem grünen stehenden Kragen sowie Schulterklappen und Aufschlägen in der gleichen Farbe. Die Hose war ebenfalls grau, mit grünen Biesen, getragen über schwarzen Schuhen und Gamaschen. Das Lederzeug ebenfalls in schwarz.
Die beiden leichten Kompanien trugen die gleiche Uniform wie das Leibbataillon allerdings mit grünem Kragen, Schulterklappen und spitzen Ärmelaufschlägen. Auch sie hatten als Kopfbedeckung den korsischen Hut, allerdings mit einem Hornemblem.
Hier sind natürlich die Braunschweiger Truppen von Hät zu verwenden.
Das Leibbataillon trug den Tschako von 1809 mit einem fallenden Roßschweif. An ihm befand sich das bekannte Totenkopfemblem. Der Rock entsprach dem Dolman aus dem Spanienfeldzug mit blauen Aufschlägen am Kragen und auf den Schulterklappen. Die Hosen waren schwarz mit hellblauen Biesen und wurden über schwarzen Schuhen und Gamaschen getragen. Auch das Lederzeug war schwarz. Offiziere trugen Dolmans und silber-gelbe Schärpen.
Die leichten und Linienbataillone trugen nahezu identische Uniformen. Der Tschako entsprach dem des Leibbataillons, allerdings anstelle des Roßschweifs befand sich an ihm ein Pompon, blau über gelb bei den Linienbataillonen, gelb über blau bei den leichten Bataillonen. Als Emblem trugen die leichten Bataillone ein Horn, die Linienbataillone einen Schild mit dem rennenden Pferd, der Regimentsnummer und dem Motto "Nunquam retrorsum". Der Rock, ein kurzes schwarzes Kollett, hatte auf der Brust zehn Reihen schwarzer Schnüre, einreihig geknöpft. Die Hosen waren ebenfalls schwarz mit Biesen in der Bataillonsfarbe. Diese Farben wurden außerdem auf dem Kragen und den Schulterklappen getragen. Folgende Aufschlagsfarben wurden unterschieden: 1. Leichtes Bataillon (lederfarben bzw. rosa), 2. Leichtes Bataillon (gelb), 3. Leichtes Bataillon (orange), 1. Linien Bataillon (rot), 2. Linienbataillon (grün) und das 3. Linienbataillon (weiß).
Offiziere trugen ebenfalls die o.g. Schärpen und bei den Linienbataillonen weiße-, bei den leichten Bataillonen grüne Handschuhe.
Das Lederzeug war ebenfalls schwarz.
Hier können als Truppen die Russen von Esci bzw. die Preußen mit umgearbeiteten französischem Tschako herangezogen werden (vgl. meinen Bericht über die Braunschweiger im Peninsular War).
Die Husaren trugen die gleiche Uniform wie 1809, allerdings mit schwarzen Ärmelaufschlägen (Haythornthwhaite geht allerdings von hellblauen Ärmelaufschlägen aus).
Auch die Ulanen adaptierten die Uniform aus dem Jahr 1809, allerdings mit anderen Abzeichenfarben. Die Tschapka war schwarz, allerdings mit einem hellblauen Kopfteil, das durch eine gelbes Band von der unteren Hälfte getrennt wurde. Verschiedene Quellen geben allerdings an, daß auch noch die Tschapka des Modells 1809 getragen wurde. Die Kurtka war schwarz, mit blauen Aufschlägen und Rabatten. Die Reithosen schwarz mit hellblauen Biesen. Der Lanzenwimpel war hellblau über gelb. Die Pferdeschabracken waren schwarz mit hellblauer Umrandung.
Als Husaren kann man die französischen Husaren von Italeri verwenden, als Ulanen die französischen Lanciers von Esci.
Die Artilleristen trugen einen Tschako im Husarenstil. Die Fußartillerie mit einem gelben Pompon und einem messingfarbenem Granatenemblem, die berittenen Artillerie mit einem fallenden schwarzen Roßschweif und dem Totenkopfschild.
Der Rock der Fußartillerie entsprach dem der Infanterie, die berittene Artillerie trug einen Dolman. Beide waren schwarz, mit schwarzem Kragen und Ärmelaufschlägen, die gelb eingefaßt waren. Die Hosen waren schwarz mit einem gelben Streifen. Die Fußartillerie trug schwarze Schuhe und Gamaschen, die berittenen Artillerie husarenähnliche Overalls.
Die Trainsoldaten der berittenen Artillerie trugen die gleichen Uniformen, die der Fußartillerie braun-graue Uniformen mit schwarzen Aufschlägen, die gelb eingefaßt waren. Die Hosen (Overalls) in der gleichen Farbe mit gelben Biesen.
Als Artilleristen sind natürlich die wunderbaren Zinnfiguren Jörg Schmählings heranzuziehen.
An dieser Stelle endet mein Bericht. Ich hoffe er hat Spaß gemacht, und die Sammler geben den Braunschweigern einen gebührenden Platz auf ihren Dioramen. Als Gegner bieten sich ja viele an, nicht zuletzt eine Truppe, auf die wir schon alle gespannt warten: Die berittenen Grenadiere der Garde. Ich hoffe Hät beginnt noch in diesem Jahr mit der Auslieferung.
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